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ChildFund Bank für Sozialwirtschaft AG
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Ihre Ansprechpartnerin
Antje Becker
Geschäftsführerin von ChildFund Deutschland, Leiterin Fundraising & Kommunikation
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becker@childfund.de
„Die Auswirkungen der Dürre zu erleben, hat mich tief bewegt!“
Anne Goddard, die Präsidentin von ChildFund International berichtet in ihrem Blog von ihrer Reise in die Region Turkana – einem der am stärksten von der Hungersnot betroffenen Landesteile Kenias.
Im Blog – Reisebericht von Anne GoddardAlle ein- bzw. ausklappen
126. August 2011: Am meisten leiden Kinder unter der Dürre
26. August 2011: Am meisten leiden Kinder unter der Dürre
Die Straße nach Lokitaung im Norden Kenias ist staubtrocken und holperig. Obwohl es noch früh am Morgen ist, herrscht bereits unerträgliche Hitze. Ein intensiver Staubgeruch liegt in der Luft. Ohne Wasser wächst in dieser lebensfeindlichen Umgebung schon seit langem nichts mehr.
Unser Wagen stoppt an einer ambulanten ChildFund Gesundheitsstation. „Etwa 37 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren sind mittlerweile unterernährt“, berichtet uns eine Krankenschwester, während sie ein kleines Mädchen wiegt. „Acht Prozent befinden sich sogar in einem äußerst bedrohlichen Zustand – ein dramatischer Anstieg im Vergleich zu 2010.“ Babys und Kleinkinder leiden am meisten unter den Folgen von Hunger. Denn gerade in den ersten Lebensjahren führt Mangelernährung zu geistigen und körperlichen Defiziten, die sich später kaum noch aufholen lassen. Deshalb konzentriert sich unsere Hilfe besonders auf unter Fünfjährige, aber auch auf Schwangere und stillende Mütter. Dabei nutzen wir unsere vorhandene Infrastruktur, die wir für unsere reguläre Projektarbeit aufgebaut haben – allem voran unsere ambulanten Gesundheitsstationen und Frühförderzentren für Kleinkinder (ECCD/ „Early Child Care and Development Centers“).
Aktiv gegen den HungerKurz nach 11 Uhr erreichen wir das ECCD in Lokitaung. Die Kinder dort weinen und sind hungrig. Sie warten sehnsüchtig auf ihre Schüssel mit Unimix, einem nährstoffreichen und sättigenden Getreidebrei – ihre erste Mahlzeit überhaupt an diesem Tag. Seit ChildFund damit begonnen hat, diese therapeutische Spezialnahrung zu verteilen, ist die Zahl der hilfesuchenden Familien deutlich angestiegen. Viele kommen von weither: Eine Mutter berichtet mir, dass sie heute Morgen mit ihrem kleinen Kind mehr als fünf Kilometer in der sengenden Hitze zurückgelegt hat.
Im ECCD misst eine Krankenschwester gerade den Armumfang des 5-jährigen Emuria. Der Junge wirkt schmal und zerbrechlich. Damit bei Kindern wie ihm gravierende Mangelerscheinungen erst gar nicht auftreten können, ist es wichtig, die Anzeichen der Unterernährung möglichst früh zu diagnostizieren – und geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören zum Beispiel die gezielte Versorgung mit Vitamin A und Eisen, eine Wurmkur sowie Impfungen gegen Masern und Kinderlähmung.
Viele Mütter, mit denen ich spreche, klagen über gereizte, entzündete Augen. Schuld daran sind der allgegenwärtige Staub und die extreme Trockenheit. Ich höre Kinder husten. Heute werden in der ambulanten Gesundheitsstation auch HIV-Tests für Mütter angeboten. Zum Glück fallen alle Tests negativ aus.
Brennpunkt Turkana
Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg in das abgelegene Dorf Kariburi. Die Straße dorthin ist sogar noch staubiger und holpriger als die von heute Morgen. Und auch hier scheint die Landschaft um uns herum nur aus Staub zu bestehen. Wir durchqueren ein ausgetrocknetes Flussbett nach dem anderen. In der Tat: Keine andere Region in Kenia leidet so sehr unter der Dürre wie Turkana.
Die Situation in Kariburi ist besonders schlimm. Was mir am meisten auffällt, ist die Stille: Im Frühförderzentrum der Gemeinde sind viele Kinder so hungrig und geschwächt, dass ihnen sogar die Kraft zum Spielen und Lachen fehlt. Die Wechselwirkung von Unterernährung, Wassermangel und fehlender medizinischer Versorgung hat ihnen schwer zugesetzt. Außerdem verfügen nur die wenigsten der unter Fünfjährigen über einen ausreichenden Impfschutz.
Hilfe leisten, Not lindernChildFund hat damit begonnen, Grundnahrungsmittel an die Familien zu Kirburi zu verteilen. Viele Frauen haben weite Fußmärsche in Kauf genommen, um einen kleinen Sack mit Mais oder Bohnen auf dem Kopf nach Hause tragen zu können. An der Verteilung der Lebensmittel beteiligen auch freiwillige Helferinnen aus Kariburi. Darüber freue ich mich ganz besonders. Je stärker das gesamte Projektumfeld in die Hilfsmaßnahmen einbezogen wird, umso besser.
Ein Lastwagen bringt frisches Trinkwasser. Schnell versammelt sich rings um das Fahrzeug eine große Zahl von Menschen, die ihre Kanister mit dem kostbaren Nass füllen. Ergänzend zur Ausgabe von sauberem Wasser bietet ChildFund Schulungen zum Thema Hygiene an. Auch dies trägt entscheidend dazu bei, die vom Hunger geschwächten und dadurch besonders anfälligen Menschen vor Durchfall, bakteriellen Infektionen oder anderen Krankheiten zu schützen.
229. August 2011: Garten Eden umgeben von Hunger und Not
29. August 2011: Garten Eden umgeben von Hunger und Not
Meine Kenia-Reise ist in mehrfacher Hinsicht eine intensive emotionale Erfahrung: Zum einen, weil sich die Bilder der hungernden und kranken Kinder tief in mein Bewusstsein eingebrannt haben. Zum anderen, weil Kenia für mein Leben eine ganz besondere Bedeutung hat: Ich habe vor 30 Jahren in diesem Land geheiratet und hier auch meinen Sohn zur Welt gebracht. Gerade weil ich Kenia persönlich zutiefst verbunden bin, leide ich so sehr mit seinen Menschen.
Am Morgen fahren wir zur ChildFund Projektgemeinschaft in Kalemunyang. Unterwegs bietet sich uns wieder dasselbe Bild wie an den Tagen zuvor: Öde, dürre Landstriche ohne jede Spur von Wasser. Mehrmals durchqueren wir ausgetrocknete Flussbette. Und immer wieder treffen wir auf Herden von völlig erschöpften, abgemagerten
Ziegen und Kamelen.
Die Frauen von Kalemunyang haben von unserem Besuch erfahren und bereiten uns ein herzliches Willkommen. Als ich aus dem Wagen steige, sind sie doch ein wenig erstaunt. Sie hatten erwartet, dass der Präsident von ChildFund International ein Mann ist. Doch dann erlebe ich eine Überraschung: Die Frauen heben mich hoch und tragen mich auf ihren Schultern durchs Dorf!
Grünes Wunder aus MenschenhandAls sich die Wogen der Begeisterung wieder etwas geglättet haben, informieren mich die Mitglieder der Gemeinde über die ChildFund Projektarbeit vor Ort. Gemeinsam besichtigen wir ein Bewässerungssystem am Ufer des Flusses Turkwel. Es ist fast unglaublich, wie sich die Lebensbedingungen der Menschen dadurch verbessert haben: Nach den bedrückenden Erfahrungen der vergangenen Tage kommt mir die üppige grüne Vegetation wie ein Wunder vor. In den Gemüsegärten („Shambas“) gedeihen Spinat, Tomaten, Paprika, Okra, Wassermelonen, Kohl, Mais und Bohnen. Mitten in einer kargen Wüstenlandschaft ist hier ein wahrer Garten Eden entstanden!
Mit dem landwirtschaftlichen Projekt namens „Food for Assets“ versorgt ChildFund die Familien mit Nahrung und Hilfsgütern und unterstützt sie beim Aufbau des Bewässerungssystems für die Gemüsegärten. Das ist auch wichtiger ein Beitrag zum Klimaschutz: Denn dadurch wird für die Kleinbauern eine echte Alternative zur Viehhaltung geschaffen, die leider häufig mit der Zerstörung des natürlichen Baum- und Pflanzenbestandes einhergeht. Außerdem sorgt das Projekt dafür, dass die Familien in Kalemunyang Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen. Davon profitieren mehr als 20.000 Menschen.
Anna: eine ErfolgsgeschichteDas Bewässerungs- und Gemüseanbauprojekt leistet keine humanitäre Soforthilfe, sondern setzt auf Nachhaltigkeit und dauerhafte Veränderungen. Dadurch stärkt es die dörflichen Gemeinschaften und vermindert deren Anfälligkeit für Dürreperioden. Ich unterhalte mich mit Anna, einer fröhlichen 38-jährigen Mutter von drei Kindern. Sie bearbeitet gerade den Boden in ihrer „Shamba“. Anna erzählt mir, dass sie in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten war – bis ihr ChildFund Gartengeräte und Samen zur Verfügung gestellt und sie im Gemüseanbau geschult hat.“Meine Familie hat jetzt immer genug zu essen“, sagt sie. „Unterernährung ist hier bei uns kein Thema mehr, trotz der verheerenden Dürre in Turkana. Ich bin sehr, sehr glücklich.“ Anna lächelt und wünscht mir zum Abschied alles Gute.
Bildung – für Kinder mit ZukunftAm Nachmittag besuchen wir die Schule in Kalemunyang. Dort wurden mit Hilfe von ChildFund ein Brunnen und sanitäre Einrichtungen gebaut. Ein wichtiger Beitrag für bessere Bildungschancen, denn unsere Erfahrung hat gezeigt, dass solche Maßnahmen entscheidend dazu beitragen, dass vor allem Mädchen häufiger zur Schule kommen. Eine große Herausforderung bleibt der Lehrermangel: für 350 Kinder gibt es in Kalemunyang zurzeit nur fünf Lehrkräfte.
Ein 14-jähriger Teenager kommt auf mich zu und begrüßt mich mit kräftigem Händedruck. Er wirkt sehr selbstbewusst und erwachsen. Lomuru, so sein Namen, möchte einmal Richter werden. Schon jetzt engagiert er sich politisch auf regionaler Ebene. Auf seinem bunten T-Shirt steht in Swahili: „Aktivist für die Wahrheit“. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er später einmal eine einflussreiche Persönlichkeit sein wird.
Einblicke und RückblickeDen Nachmittag beende ich mit einem Besuch bei Iria. Der 12-Jährige Junge wird durch eine ChildFund Patenschaft gefördert. Seine Familie lebt unter einfachen Bedingungen, wenngleich mir auffällt, dass ihr Haus in einem wesentlich besseren Zustand ist als viele andere. Das in traditioneller Bauweise errichtete Haus hat Wände aus getrocknetem Lehm, verfügt über ein Moskitonetz, Wasseranschluss und eine Toilette im Außenbereich. Die Begegnung mit Ira und seiner Familie macht mir bewusst, wie vielschichtig das Problem Armut ist: Dank der Patenschaft geht es ihnen zwar verhältnismäßig gut, aber die Zeiten sind hart. So hat Iras älterer Bruder eine gute Ausbildung, findet aber momentan keine Arbeit.
Als wir am nächsten Morgen wieder zurückfahren, lasse ich meine Eindrücke der vergangenen Tage noch einmal Revue passieren. Die Auswirkungen der Hungerkatastrophe vor Ort hautnah mitzuerleben, hat mich tief bewegt. Seit ich zuletzt vor 30 Jahren in Turkana gewesen bin, hat sich dort auf den ersten Blick nur wenig verändert. Damals wie heute ist es eine sehr traditionsbewusste, abgeschiedene und wirtschaftlich arme Gegend. Doch dann denke ich an die grünen Gemüsegärten von Kalemunyang, die neuen Sanitäranlagen an der Dorfschule, an Kinder wie Lomoru und Iria. Das motiviert mich und gibt mir Hoffnung – für unsere Arbeit und die Menschen am Horn von Afrika.
Links zum Blog von ChildFund International:
26. August 2011
29. August 2011

