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ChildFund Bank für Sozialwirtschaft AG
Kto. 778 00 06 BLZ: 601 205 00
Ihre Ansprechpartnerin
Antje Becker
Geschäftsführerin von ChildFund Deutschland, Leiterin Fundraising & Kommunikation
Fon 0 70 22/92 59-23
becker@childfund.de
„Es gibt Hoffnung – wenn wir mit Entschlossenheit, Verstand und Expertise helfen.“
Isam Ghanim ist seit 23 Jahren in der Entwicklungshilfe tätig. Seit Juni 2007 arbeitet der studierte Agrarwissenschaftler in leitender Position bei ChildFund International.
Was hat zu der akutellen Hungersnot am Horn von Afrika geführt?
Die gegenwärtige Krise kam nicht von heute auf morgen, sondern hat sich allmählich über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren entwickelt. Nach zwei extrem niederschlagsarmen Regenzeiten in Folge sind die Lebensmittelpreise in vielen Ländern Ostafrikas enorm angestiegen. Überall herrscht außerdem eine hohe Inflation. Hinzu kommt der Bürgerkrieg in Somalia, vor dem immer mehr Menschen nach Äthiopien und Kenia fliehen.
Wie sieht die Situation in den betroffenen Ländern aus?
Mehr als 11 Millionen Menschen in Somalia, Äthiopien, Kenia, Uganda und Dschibuti sind aktuell von Hunger und Dürre bedroht. Allein in den ChildFund Projektregionen sind schätzungsweise 660.000 Kinder und Erwachsene betroffen. Die Lage ist sehr, sehr ernst. Etwa 7.000 Mädchen und Jungen sind bereits so geschwächt, dass sie dringend auf sofortige Hilfe angewiesen sind. Die meisten Kinder bekommen oft tagelang nichts Richtiges zu essen und haben nicht genügend Trinkwasser. Was die Situation weiter erschwert: Tausende Kinder in Ostafrika sind HIV positiv. Durch den Hunger wird ihr ohnehin anfälliges Immunsystem noch mehr in Mitleidenschaft gezogen.
„Viele Eltern sind resigniert und verzweifelt, weil sie kaum noch in der Lage sind, für ihre Kinder sorgen zu können.“
Wie wirkt sich die Dürre ganz konkret auf das Leben der Menschen aus?
Die Kinder und ihre Familien leiden sowohl an Unterernährung als auch am Wassermangel und den damit verbundenen katastrophalen hygienischen Bedingungen. Am schlimmsten betroffen sind Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen. Stillende Mütter haben oft keine Milch mehr für ihre Babys. Viele Eltern sind resigniert und verzweifelt, weil sie kaum noch in der Lage sind, für ihre Kinder sorgen können.
Aus den Nachrichten kennen wir die Bilder von den Flüchtlingslagern. Was bewegt die Menschen, in der jetzigen Situation ihre Heimat zu verlassen?
Es ist eine verhängnisvolle Abwärtsspirale: Um sich die immer teurer werdenden Lebensmittel überhaupt noch leisten zu können, beginnen die Menschen nach und nach ihren gesamten Besitz zu verkaufen – angefangen bei Schmuck und Möbeln bis hin zu Vieh und den Wellblechdächern ihrer Häuser. So stehen sie früher oder später mit leeren Händen da. Es bleibt ihnen eigentlich keine andere Wahl, als ihre angestammten Dörfer zu verlassen. Für Eltern von kleinen Kindern entsteht daraus ein furchtbarer Konflikt: Am Ort zu bleiben kommt fast einem Todesurteil gleich – vor Hunger und Durst zu fliehen, bedeutet aber ebenfalls ein extrem hohes Risiko für das Leben der Kinder. Welches ist also die richtige Entscheidung?
Auf welche Weise beteiligt sich ChildFund an der humanitären Hilfe in Ostafrika?
Unser Schwerpunkt liegt auf der humanitären Hilfe für Babys und Kindern unter fünf Jahren. Sie sind ganz besonders auf energiereiche Nahrung, sauberes Trinkwasser und eine grundlegende medizinische Versorgung angewiesen. Dabei kommt uns unser gut ausgebautes Netz an Frühförderzentren für Kleinkinder zugute ("Early Child Care and Development Centers"). Dort können wir gezielt helfen und den Ernährungszustand der Kinder nachhaltig verbessern. Darüber hinaus leisten wir auch einen wichtigen Beitrag gegen das unvorstellbare Flüchtlingselend: Unsere Hilfsmaßnamen ermöglichen den Menschen, an ihren angestammten Wohnorten zu bleiben und ihre Felder auf die nächste Regenzeit vorzubereiten. Denn alles hängt jetzt davon ab, ob wir im kommenden September wieder genügend Niederschläge haben werden – und damit die Chance auf eine erfolgreiche Ernte.
„Unser Fokus muss jetzt darauf ausgerichtet sein, Leben zu retten.“
Wie schätzen Sie die Lage für die Kinder und ihre Familien ein? Welche Herausforderungen sehen Sie?
Die Situation ist äußerst besorgniserregend, aber nicht hoffnungslos – wenn wir mit Entschlossenheit, Verstand und Expertise vorgehen. Ohne Zweifel gibt es Probleme, die auf eine fehlende Infrastruktur oder ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen zurückzuführen sind. Davon dürfen wir uns aber nicht abhalten lassen. Unser Fokus muss jetzt darauf ausgerichtet sein, Leben zu retten.

