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Antje Becker
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16. November 2016

Luzk, Ukraine: Neue Hoffnung
für krebskranke Kinder

Die Krise trifft die Schwächsten

Im Osten der Ukraine wird immer noch gekämpft. Die Inte­gra­tion der über 1,7 Mio. Binnen­flücht­lin­ge des Kon­flikts ist eine Zer­reiß­pro­be für die Gesell­schaft. Doch damit nicht genug: Nach Jah­ren des Nieder­gangs ist das Land wirt­schaft­lich am Ende und muss schmerz­hafte Refor­men umset­zen. Der hoch ver­schul­dete Staat hat die Sozial­aus­gaben gekürzt, was gerade im Bereich der Ge­sund­heit drama­tische Folgen für die Schwäch­sten der Gesell­schaft hat. So müs­sen überall im Land Patien­ten teilweise selbst für teure Medika­men­te auf­kom­men, weil die Versorgung von Kliniken stockt.

An der Kinder­­klinik in Luzk (West­ukrai­ne) trifft das krebs­­kran­­ke Kinder aus Fami­­lien, die sich die Be­­hand­­lung nicht leis­ten kön­nen. Allein für die Medi­ka­­men­­te müs­sen oft mehr als 5.000 Euro auf­ge­bracht werden. Das Durch­­schnitts­­ein­­kom­­men in der Re­­gion liegt bei unter 200 Euro, viele haben nicht einmal das. So wird für die Eltern das Le­ben ihrer Kinder zur Kos­­ten­frage. Damit diese eine Chan­ce auf Heilung haben, verkau­fen sie ihren ganzen Wertbesitz und ver­schul­den sich – doch auch das reicht nicht aus. Eine grau­same Situa­tion: Wie soll man einem Kind, das tapfer Mona­te der Chemotherapie ertragen hat, sagen, dass alles umsonst war?

ChildFund sorgt seit Herbst 2014 dafür, dass es nicht so­weit kommt (mehr über das Pro­jekt). Hier stel­len wir Ihnen einige Kinder vor, denen wir gemein­sam helfen können.

Geschichten von der Kinderkrebsstation

„Er wird bestimmt ein Tänzer“, sagt die Mutter von Matwij­ko und lächelt. „Sobald er Musik hört, hält ihn nichts mehr auf sei­nem Platz.“ Es ist ein schö­ner Ge­dan­ke. Gerade hier und jetzt. Der Junge, ein­ein­halb Jahre alt, hat keine Kraft mehr zum Tan­zen. Die Me­dika­men­te, die Ret­tung verhei­ßen, brin­gen auch Übelkeit, Er­schöp­fung und Schmer­zen mit sich. Und sie sind teuer, viel zu teuer für Matwij­kos Eltern. Ihre Erspar­nisse sind dahin, alles, was Wert hatte, längt ver­kauft. Der Vater nimmt jede Ar­beit an, die er be­kom­men kann. Des­halb schafft er es nur noch selten ins Kran­ken­haus. Dann hat er stets ein Spiel­zeug dabei, das Matwijko aufheitern soll.

Matwijko (l.) kam zu früh auf die Welt, seit seinem ersten Atem­zug muss er kämp­fen. Die Fami­lie von Vadim (r.) wohnt auf dem Land, wo es kaum gere­gel­te Arbeit gibt. Um Vadims Medi­kamen­te zu bezah­len, haben seine Eltern kürzlich Kuh und Pferd verkauft.

Einige Zimmer weiter liegt Vadim, auch er keine zwei Jahre alt. Seine Mutter erinnert sich genau an jenen Tag im September, als die Diagnose Krebs ins Leben der Familie einbrach. An die weichen Knie, den abgeschnürten Hals, die qualvolle Hilflosigkeit. Vadims Ärzte sagen, der Junge sei sehr stark. Nach der OP lag er tapfer da, wartete ohne zu weinen auf seine Mutter. Die Eltern haben drei weitere Kinder, es war nie leicht für sie, über die Runden zu kommen. Doch nun, da sie noch auch die Kuh verkaufen mussten, um die Therapie zu bezahlen, sind sie am Ende. Vadim weiß das alles nicht. Er vermisst seinen Vater, der oft im Ausland ist, um etwas Geld zu verdienen.

Vladislavs größter Traum ist es, später mal ein berühmter Fußballer zu werden. Nach dem Grund gefragt sagt er: "Dann werden sie mich im Fernsehen zeigen und meine Mutter wird zuschauen und ist dann stolz auf das, was aus ihrem Sohn geworden ist."

Jeden Tag setzt sich Vladislav ans Fenster seines schmuck­losen Zim­mers und schaut hinaus auf die Stra­ße. Er beo­bach­tet die Busse, die kurz vor dem Kran­ken­haus halten und dann wei­ter­fahren. Eines Ta­ges, sagt der von der Chemo­the­ra­pie gezeich­nete Junge, werde auch er in einen dieser Bus­se steigen und nach Hau­se fahren. Er weiß: er muss schnell ge­sund werden, denn zuhau­se warten fünf Ge­schwis­ter auf ihn und seine Mutter. Die sonst so starke Frau ver­geht vor Sorge um ihren kran­ken Sohn und die ande­ren Kinder, die sie alleine groß­zieht, seit Vadims Vater ge­stor­ben ist. Alles, was sie für ihre Aus­bildung ange­spart hatte, hat nun die teure Behandlung aufgezehrt.

An das lebenslustige Mädchen, das Olena einst war, erinnern heute nur noch Fotos. Die Chemotherapie setzt ihr schwer zu, die meiste Zeit verbringt sie im Bett.

Olena ist 15, ihre Freunde und Mitschüler kennen sie als lebens­lus­tiges Mäd­chen, als uner­müd­liche Trieb­feder einer jeden Unter­neh­mung. Ihre Art steckt die Men­schen an, sie ist wie ein Licht, zu man sich hinge­zo­gen fühlt. Ihre Zeich­nun­gen zeigen die Welt so, wie sie sie sieht: voller satter Far­ben, hell und freund­lich. Gemalt hat Olena jedoch schon lange nicht mehr. Die meis­te Zeit liegt sie auf ihrem Bett, still und in sich ein­ge­schlos­sen. Oft denkt sie an ihre Mut­ter, der die Nach­richt von der Leu­kämie der Toch­ter schwer zuge­setzt hat. Weil das Mäd­chen sie nicht lei­den sehen kann, müht sie sich, tapfer und fröh­lich zu wirken. Ihrer Oma ge­stand sie eines Tages heim­lich ihre Schmer­zen. Und sagte, dass sie weiter­leben wolle, mit jeder Faser ihres Körpers.

Bitte tragen Sie mit uns dazu bei, dass die Ärz­te in Luzk wei­ter Leben ret­ten und die Fami­lien von kran­ken Kin­dern wei­ter hoffen können. Vielen Dank!