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Vorstand

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Kindheit ohne Zukunft?

Indien: Hoffnung für die Kinder von Kalkuttas Ziegeleien.

Indiens Wirtschaft wächst, die Städte wuchern. Zu jenen, die den Preis dafür zahlen, gehören die Millionen Wanderarbeiter. Von Armut und Schulden getrieben ziehen sie von Staat zu Staat, schuften für einen Hungerlohn auf den unzähligen Baustellen und in den Ziegeleien und hausen in deren Schmutz und Lärm. Im Schlepptau ihre Kinder, die die Schule abbrechen und mit anpacken müssen, Verletzungen ausgesetzt sind, oft an Unterernährung leiden und bleibende Schäden davontragen. An vier Ziegeleien um Kalkutta gibt ChildFund diesen Kindern ihre Rechte zurück, ihre Kindheit – und ihre Zukunft.

Hintergrund

Es sind Bilder wie aus einer anderen Zeit: Lehmgruben, Kohleberge, lange Schornsteine, Felder von trocknenden Ziegeln und Ketten von Arbeitern, die ihre schwere Last zu den Öfen schleppen, barfuß, ausgemergelt, apathisch. Über allem dicke Rauchwolken, Staub, drückende Hitze. Und mittendrin die Kinder. Man sieht schon 6-Jährige, die Kohle zerkleinern oder die Ziegel wenden, die ihre Eltern und Geschwister formen. Eine Kindheit haben sie nicht. Ihr Leben beginnt und endet in Sklaverei. Zehntausende solcher Ziegeleien gibt es in Indien. In den meisten gibt es nicht genug sauberes Wasser und Latrinen, geschweige denn einen Arzt, eine Schule oder Krippe.

Als Elendsgemeinschaften kämpfen die Familien der Wanderarbeiter ums Überleben. Jede Hand wird gebraucht, um das vereinbarte Pensum an Ziegeln zu schaffen. So wird die Arbeit der Kinder, eigentlich per Gesetz verboten, zum Teil des Systems. Genauso wie ihre Folgen: schwere Verletzungen, Taubheit, Staublunge, die häufige Unterernährung, aber auch seelische Wunden. Jahr für Jahr fallen die Kinder für 6 bis 8 Monate aus ihrem sozialen Umfeld und der staatlichen Grundversorgung heraus und leben unter prekären Umständen. Damit werden sie auch ihres Rechts auf Bildung beraubt – und jeder Aussicht auf ein Leben, das sie nicht schon mit 40 zu Greisen macht.

Das Engagement von ChildFund

An vier Ziegeleien im Raum Kalkutta (Bundesstaat Westbengalen) hat ChildFund Schutzzentren errichtet, an denen Kleinkinder von geschulten Pädagogen betreut und gefördert werden, während die Älteren am angebotenen Unterricht teilnehmen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Es sind Orte der Zuflucht und Zuwendung, wo die derzeit 220 Kinder genug zu essen bekommen, ordentliche Sanitäranlagen vorfinden, regelmäßig medizinisch untersucht werden und sicher sind vor Unfällen und Übergriffen. Zugleich verbessern wir die Lebensbedingungen vor Ort, klären Eltern wie Kinder über ihre Rechte auf und bringen zuständige Behörden dazu, mehr zu tun.

Um in den Ziegeleien trotz widrigster Umstände Verbesserungen zu erzielen, müssen wir Fabrikbesitzer, Eltern und Behörden gleichermaßen in die Pflicht nehmen. Wir wollen, dass grundlegende Menschenrechte und hygienische Standards gewahrt bleiben – und ebenso die Chance der Kinder, eines Tages ein anderes Leben zu führen. Wir haben dann etwas erreicht, wenn die Kinder gestärkt, gesund und reicher an Bildung und Lebensorientierung in ihre Dörfer zurückkehren. Um sie und ihre Eltern weiterhin zu unterstützen (in Schul-, Ernährungs- oder Rechtsfragen), begleiten sie unsere Mitarbeiter dorthin und sichern so die Nachhaltigkeit unseres Projekts.

Mit unserem Engagement beginnt für die Kinder der Wanderarbeiter etwas, das sie nicht kennen: Hoffnung. Unterstützen Sie uns dabei, Zukunft zu schenken!

Projektinfos im Überblick

  • Ziele: Gesundheit, Förderung, Bildung und Schutz für die Kinder von Wanderarbeitern, Aufklärung zu Kinderrechten und den Folgen der Ausbeutung, Aktivierung zuständiger Behörden und Verbesserung der Lebensbedingungen in den Ziegeleien
  • Zielgruppe: 220 Kinder und ihre Familien
  • Orte: 4 Ziegeleien nahe Kalkutta, Bundesstaat Westbengalen, Indien
  • Dauer: 05/2016–04/2019
  • Partner: ChildFund Indien, Towards Future (NGO)