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Das Geschäft mit der Not

Indien: Gegen die Ursachen und Folgen des Kinderhandels

Indien ist eine Atommacht und gehört als Schwellen­land der G20 an. Doch das Wirt­schafts­wachs­tum geht an den meisten Menschen vorbei, gerade die Land­bevöl­kerung parti­zi­piert nicht an des­sen Chancen. Über 40 Prozent der Einwoh­ner haben weniger als einen US-Dol­lar pro Tag zur Verfü­gung, eine Grenze, die weltweit extreme Armut mar­kiert. Das bedeu­tet: Fast jeder 5. arme Mensch weltweit ist Inder. Im land­wirt­schaft­lich geprägten Bundes­staat Rajas­than gehören Kin­der­handel und Kinder­arbeit zu den schlimmsten Folgen der Armut. Seit 2012 unter­stüt­zen wir hier unse­ren Partner ChildFund Indien im Kampf gegen die Ursachen und Folgen des Problems.

ChildFund vor Ort

Madhumita Purkayastha, ChildFund Expertin für Kinderrechte, Indien

„Kinderhandel gehört in Indien zu den häufigsten Formen der organisierten Kriminalität. Das Schlimmste daran ist, dass sich dieses Verbrechen praktisch unter den Augen der Öffentlichkeit abspielt. Doch Kinder sind keine Ware, die man nach Belieben kaufen oder verkaufen kann. Dafür wollen wir mit unserer Arbeit Bewusstsein schaffen.“

Einige Experten schätzen, dass über 40 Mio. Kin­der von Kinder­arbeit betroffen sind.

Armut, Kinderarbeit und Kinderhandel

Schätzungen der Internatio­nalen Arbeits­organi­sa­tion (ILO) für das Jahr 2001 zufolge arbeiten in Indien etwa 12,7 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren. Kinder­schüt­zer gehen sogar davon aus, dass es sich um 40 bis 60 Millio­nen handeln könnte. In ihrer Armut sehen viele Fami­lien keinen anderen Ausweg, als ihre Kinder in eine Lohn­beschäf­ti­gung zu geben: Jeder noch so geringe Beitrag wird benö­tigt. Diese verzwei­felte Situa­tion wird von skrupel­losen Kinder­händ­lern ausge­nutzt. Mit fal­schen Ver­spre­chun­gen bringen sie die ahnungs­losen Eltern dazu, ihnen ihre Kinder anzu­ver­trauen. Doch statt guter Verdienst­möglich­keiten erwartet diese Sklavenarbeit für einen Hungerlohn.

Physisch und psychisch gezeichnet

So werden aus dem Bundes­staat Rajas­than jedes Jahr Zehn­tausen­de Kinder ins angren­zen­de Gujarat gebracht, wo sie als billige Arbeits­kräfte in der Baum­­woll­indus­trie landen. Den Eltern ist häufig gar nicht bewusst, welchen Gefah­ren ihre Kinder ausge­setzt sind: Monate­lang getrennt von ihren Familien, leiden sie unter hoher Arbeits­last und schlechter Er­­näh­­rung; Miss­hand­lungen und sexuel­le Gewalt durch Aufseher sind an der Tages­ord­nung. Die einge­setz­ten Pflanzen­schutz­mittel verur­sachen Kopf­schmer­zen, Atemnot und gesund­heit­liche Folge­schäden. Nicht selten werden Mädchen durch verbre­che­rische Kinder­händler-Ringe in die Prosti­tution weiterverkauft.

Oft arbeiten schon Fünfjährige viele Stunden täglich als Pflücker auf den Baumwollfeldern und werden so ihrer Kindheit beraubt.

Die Profiteure der Not

Indien ist der zweit­größte Baumwoll­pro­duzent der Welt. Was kaum jemand weiß: Es ist keine Seltenheit, dass schon Fünf­jährige als Pflücker auf den Feldern einge­setzt werden. Betrogen um ihre Kindheit, ihre Chancen und ihre Zukunft kehren viele Betrof­fene gezeich­net und psy­chisch gebrochen zurück. Davon unbe­ein­druckt schlagen organi­sierte Kinder­händler Gewinn aus der Notlage der Menschen. Sie fahren in die Dörfer, machen Eltern, die ihre Kinder kaum ernäh­ren können, falsche Ver­sprechun­gen und kaufen ihnen diese regel­recht ab. Wer Kinder­handel und Ausbeu­tung nachhaltig bekämp­fen will, muss deshalb gezielt die Lebens­bedingun­gen von gefährdeten Familien verbessern.

Aufklärung und neue Perspektiven

Schwerpunkte unseres Engage­ments vor Ort sind deshalb die beruf­liche Aus- und Weiter­bil­dung von Müttern und Vätern sowie Einkom­men fördern­de Maß­nahmen. Damit schaffen wir Erwerbs­chancen, die Kinder­arbeit verzicht­bar machen. Doch die Kampf dagegen beginnt viel früher: Mit groß angeleg­ten Aufklä­rungs­kam­pagnen sensi­bili­sieren wir die Menschen in den Dorf­gemein­schaften für die Ursachen, Risiken und Folgen von Kinder­handel und Kinder­arbeit. Wir durch­leuch­ten kriminelle Machen­schaf­ten und zeigen den Men­schen, wie sie sich dagegen wehren können.

Aktionsnetz gegen Kinderhandel

Um Kinder besser zu schützen und die Täter konsequent zur Rechen­schaft zu ziehen, arbeiten wir eng mit Poli­zei, Rechts­anwäl­ten, Schulen und Bürger­ini­tiati­ven zusammen. Unsere Mitarbei­ter vor Ort versu­chen ein Aktions­netz von Exekutive, Justiz und Zivil­gesell­schaft zu etablie­ren, in dessen Rahmen der Kampf gegen den Kinder­han­del besser koordi­niert und effekti­ver geführt werden kann. Denn nur wenn alle Ebenen von dem Ziel über­zeugt sind, die Ausbeu­tung Minder­jäh­riger zu beenden und krimi­nellen Nutz­nießern sozialer Not das Hand­werk zu legen, lässt sich etwas bewirken.

Projektinfos im Überblick

  • Ziele: Bekämpfung des Kinderhandels durch Aufklärung, Einkommen fördernde Maßnahmen und Aktivierung & Vernetzung von Behörden und Bürgerinitiativen, Unterstützung der Opfer
  • Zielgruppe: 10.000 Kinder und Jugendliche in 50 Gemeinden im Bundesstaat Rajasthan
  • Dauer: 2012–2015 (Phase I),
    Apr. 2016 – Mrz. 2019 (Phase II)
  • Partner: ChildFund Indien