Kaliningrad: "Haus Chance"

Beratung, Lebens- und Familienhilfe für jugendliche Waisen

Kaliningrad ist eine der ärmeren Regio­nen Russ­lands – und als west­liche Ex­klave be­son­ders stark von den derzei­tigen Sanktio­nen betrof­fen. Der Nie­der­gang der 90er Jah­re hat die Gesell­schaft er­schüt­tert – mit fatalen Fol­­gen gerade für Fami­lien und Kin­der. Die staat­lichen Wai­sen­heime sind Teil des Prob­lems: Weil die Zög­linge hier be­treut, aber nicht aufs Leben vor­be­reitet werden, sind sie spä­ter mit der Arbeits- und Woh­nungs­suche eben­so über­for­dert wie damit, eine gute Ehe zu füh­ren und ihre eige­nen Kinder zu versor­gen. Mit dem "Haus Chance" för­dert ChildFund ein Pro­jekt, das die­sen Ju­gend­lichen prak­tische Hilfe, Rat und Hoffnung gibt.

Hintergrund

Kinder, die in Russ­land zu Waisen werden oder nicht länger in ihren zer­rütte­ten Fami­lien blei­ben können, kommen in ein staat­liches Heim. Zwar gibt es auch Pflege­fami­lien – auf­grund einer ver­fehl­ten So­zial­politik aller­dings viel zu we­nige. Die Struk­tu­ren des staat­lichen Sys­tems sind ver­krus­tet, die wenig­sten Ein­rich­tun­gen arbei­ten nach moder­nen päda­gogi­schen Kon­zep­ten, das Perso­nal ist meist unter­be­zahlt. Wenn aber Kin­der nur betreut, nicht aber genü­gend geför­dert werden, verlas­sen sie die Heime ohne auf das Leben jen­seits ihrer Wände vorbe­rei­tet zu sein. Mit dem Schu­lab­schluss, also meist mit 17-18 Jahren, ist ein Waise in Russ­land auf sich selbst gestellt.

Ohne Unter­stüt­zung scheitern die Jugend­lichen oft daran, sich im Leben zu­recht­zufin­den. Behör­den, Woh­nung, Aus­bil­dung und Arbeit, der Um­gang mit Geld, selbst die täg­liche Selbst­organi­sa­tion – viele sind damit bald über­for­dert. Nieder­lagen und wach­sen­der Verzweiflung folgen nicht sel­ten Sucht, Krimi­nali­tät, Prosti­tu­tion und soziale Iso­lation. Hinzu kommt die Tragik, dass Wai­sen, die selbst nie Liebe, An­erken­nung und ein intak­tes Fami­lien­leben erfah­ren haben, als Väter, Müt­ter und Ehe­part­ner die Fehler ihrer eige­nen Eltern wieder­holen. All das zer­stört weite­re Fami­lien, macht wei­tere Kinder zu Sozial­waisen: Ein Kreis­lauf, der soziale Probleme multipliziert.

Das Engagement von ChildFund

Engagierte Psycho­logen und So­zial­arbei­ter haben in Kalinin­grad ein Pro­jekt auf die Beine ge­stellt, das jugend­liche Wai­sen mit Rat und Tat beglei­tet und ihnen hilft, für sich und ande­re Verant­wor­tung zu über­neh­men. Im "Haus Chance" wird eben diese Chance jenen ge­währt, die nie eine hatten. Für Ju­gend­liche in Not stehen Wohn­plätze zur Ver­fü­gung; andere kommen, um Rat und prakti­sche Le­bens­hilfe zu be­kommen, um mitein­ander oder mit Ehe­mali­gen zu spre­chen, die es geschafft ha­ben und nun ihre Erfah­run­gen teilen. Junge Fami­lien lernen, wie sie ihr Leben gemein­sam meis­tern: der beste Ansatz, um ka­putten Ehen und verlas­senen Kindern vorzubeugen!

    „Haus Chance“: Schwerpunkte des Projekts:
  • Für Jugendliche in besonderen Krisen­situa­tionen stehen 10 tempo­räre Wohn­plätze zur Verfü­gung. Psycho­logen und Sozial­arbei­ter zeigen Auswege auf.
  • Ratsu­chen­de bekom­men Hilfe bei persön­lichen Proble­men, Geld­sorgen, bei der Lebens­pla­nung, prak­tischen Fragen wie der Wohnungs- oder Arbeits­suche oder in Rechts­ange­legen­heiten.
  • Austausch der jugend­lichen Waisen unter­einan­der und mit Ehe­mali­gen wirkt bestär­kend, macht Mut und hilft, einen anderen Blick auf Prob­le­me zu gewinnen.
  • Jugendliche und junge Paare lernen, wie Part­ner­schaft, gute Kinder­erzie­hung, gesun­de Ernäh­rung und Haus­halts­füh­rung funktio­nieren – eine Investition in starke Familien.
  • Für junge Eltern werden Kurse und Akti­vitä­ten angeboten, bei denen sie lernen, ihre Kinder zu verste­hen, richtig zu för­dern und ein har­moni­sches Mit­ein­ander zu entwickeln.

In 13 Jahren Arbeit hat das "Haus Chance" 600 Heim­abgän­gern gehol­fen und viele Fami­lien und Kinder davor be­wahrt, zu So­zial­fällen zu werden. Ein echtes Erfolgs­modell, das jedoch gefähr­det ist, weil der Staat jede Förde­rung ver­sagt. So ist man auf Spen­den ange­wie­sen, die jedoch im Schatten der jüngeren politi­schen Ent­wick­lungen immer spär­licher fließen. Gerade jetzt dür­fen wir die Men­schen in Russland nicht alleine lassen und die Brücken, die in Jahren der zivil­gesell­schaft­lichen Zusam­men­arbeit auf­ge­baut wurden, bewahren. Damit junge Men­schen im "Haus Chance" auch künf­tig Hilfe und Hoff­nung finden, brau­chen wir Ihre Unterstützung!

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Projektinfos im Überblick

  • Ziele: psychologische und lebens­prak­tische Beglei­tung von jugend­lichen Heim­abgän­gern, Stär­kung junger Fami­lien, Prä­ven­tion des Sozial­waisen­tums
  • Zielgruppe: jugendliche Waisen, die nach dem Schul­ab­schluss die staat­lichen Heime verlassen
  • Ort: Kaliningrad, Russland
  • Partner: ProfKo - Verein für Koordination sozialer Projekte, Stiftung "Otkrytyj Mir" (Open World)