Der Weg zurück ins Leben

Ostkongo: ChildFund schenkt Straßenkindern eine Zukunft.

Über 60 % der Einwohner in größter Armut, die Wirtschaft am Boden, 2,3 Mio. Flüchtlinge und eine Elite, die das Land schamlos ausplündert: Der Kongo ist das, was man einen gescheiterten Staat nennt. 20 Jahre Krieg und Zerstörung haben eine soziale Katastrophe verursacht. Familien und ganze Dörfer haben sich aufgelöst, es gibt Millionen Kriegs- und Aidswaisen. Zusammen mit jenen, die vor Armut und Hunger geflohen sind, landen sie als Ausgestoßene auf der Straße. In der Provinz Süd-Kivu, einst ein Epizentrum der Gewalt, geben wir Straßenkindern ein Zuhause, schicken sie zur Schule und führen sie wieder mit ihren Familien zusammen.

Hintergrund

Wie viele Straßenkinder es im Kongo gibt, weiß niemand. Allein in Kinshasa sind es wohl mehr als 20 Tausend. Oft sind sie von Ausbeutung und Missbrauch betroffen, ob physisch, sexuell oder emotional. Verstecken müssen sich die Täter nicht: Niemanden kümmert es, wie es den vor Dreck starrenden, zerlumpten, von Tuberkulose und Malaria geplagten Gestalten ergeht, die überall herumlungern, Passanten belästigen und klauen. Es ist leicht, sie nicht als Menschen zu sehen – viel leichter, als zu akzeptieren, dass sie Kinder sind, die sich ein Zuhause und etwas Geborgenheit wünschen. Aus der Gesellschaft verstoßen, kämpfen sie täglich ums Überleben – in einer Welt, die ihnen nichts schenkt.

Das Engagement von ChildFund

In Uvira, einer Stadt am Nordufer des Tanganjikasees, unterstützt ChildFund bereits seit 2001 ein Heim, in dem derzeit 40 Straßenkinder ein Zuhause auf Zeit gefunden haben. 15 davon sind Flüchtlinge aus dem Nachbarland Burundi, das Ende 2015 von gewaltsamen Unruhen erschüttert wurde. La Charité (Nächstenliebe) heißt der Ort, an dem sie alles bekommen, was für sie lange größter Luxus war: warmes Essen, saubere Kleidung und ein eigenes Bett, Duschen, Toiletten und einen Arzt, der bei Bedarf geholt wird. Vor allem aber besuchen die Kinder die Schule, für viele ein lang gehegter Traum, der bislang schon an den anfallenden Gebühren scheiterte.

Vier Betreuer und eine Sozialarbeiterin kümmern sich um die Kinder, als feste Bezugspersonen strukturieren sie den Alltag der Ersatzfamilie: zuhören, spielen, Streit schlichten, zusammen kochen, aufräumen, Hausaufgaben machen. Es geht auch darum, Verantwortung zu übernehmen, sich selbst zurückzustellen und respektvoll miteinander umzugehen – alles neu für ein Kind, das bisher nur die Gesetze der Straße kannte. Diese werden im Heim durch Regeln ersetzt, die sich die Bewohner selbst geben. Das stellt eine Legitimität her, die jeder Neuankömmling sofort versteht. Auch wird jedem schnell klar, dass die Aufnahme eine Chance ist, die man nicht leichtfertig verspielen sollte.

Kein Heim kann die Geborgenheit einer Familie ersetzen – letztlich kann daher nur Reintegration das Ziel sein. Früh werden die Angehörigen der Kinder ausfindig gemacht, unter einem Berg von Schuld, Scham und Verbitterung legt man behutsam die Gründe der Trennung frei – und schafft eine Basis für Versöhnung. Mit einem Konzept, das die Eltern zugleich in die Pflicht nimmt und honoriert, haben wir seit 2015 25 Kinder mit ihren Familien wiedervereint. Für uns bedeutet jeder Junge und jedes Mädchen, dem wir ein Leben auf der Straße ersparen, dass sich der Einsatz lohnt, dass es Hoffnung gibt. Und Hoffnung ist alles, was den Straßenkindern im Kongo heute noch bleibt.

Bilder

  

Projektinfos im Überblick

  • Ziele: Ernäh­rung, Ge­sund­heit und Bil­dung für ehemalige Straßenkinder, psychosoziale und pädagogische Unterstützung, Reintegration in die Familien, Einkommensförderung für die Eltern
  • Zielgruppe: 25 ehemalige Straßenkinder aus Uvira und Umgebung, 15 Flüchtlingskinder aus Burundi
  • Ort: Uvira, Provinz Süd-Kivu, Ostkongo
  • Partner: OPDE Congo