Traumaarbeit & Reintegration

Kongo: Hilfe für vergewaltigte Frauen und ihre Kinder

In den Bürgerkriegsgebieten des Kongo sind sexuelle Übergriffe unverändert an der Tagesordnung: 39 % aller Frauen sind in ihrem Leben mindestens einmal Opfer einer Vergewaltigung geworden. Die Kinder, die daraus hervorgehen, werden oft diskriminiert und ausgegrenzt. In 2014 engagierte sich ChildFund Deutschland erstmals zusammen mit der kirchlichen Menschenrechtsinitiative „Commission de Justice et Paix“ (Kommission für Gerechtigkeit und Frieden) für die Rechte und den Schutz dieser Kinder.

ChildFund vor Ort

Thérèse Mema Mapenzi, Mitarbeiterin der Initiative „Commission de Justice et Paix“

„Jedes Kind hat das Recht auf Leben und den Schutz einer liebevollen Familie. Ganz gleich, unter welchen Umständen es geboren ist. Gemeinsam kann es uns gelingen, im Kongo ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung zu setzen.“

Tausende Vergewaltigungen

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo führen Rebellengruppen seit Jahren einen unerbittlichen Krieg um Mineralien und andere Bodenschätze.

39 % aller Frauen werden in ihrem Leben mindestens einmal Opfer einer Vergewaltigung.

Dabei kommt es häufig zu Übergriffen auf die Zivilbevölkerung – allein die Zahl der Vergewaltigungen geht nach Schätzungen von Experten jeden Monat in die Tausende. „Sexuelle Gewalt ist immer eine zutiefst traumatische Erfahrung“, sagt die Sozialarbeiterin Thérèse Mema Mapenzi von unserem Partner „Commission de Justice et Paix“ in Bukavu (Ost-Kongo). „Umso mehr, wenn der Vergewaltigung eine Schwangerschaft folgt. Für die werdende Mutter ist es kaum möglich, eine liebevolle Beziehung zu ihrem ungewollten Baby aufzubauen.“

Kinder, die ohne Liebe aufwachsen

Den Ehemännern der vergewaltigten Frauen fällt es aufgrund ihres traditionellen Rollenverständnisses als Beschützer der Familie oft sogar noch schwerer, das Kind wie ein Vater anzunehmen. Auch innerhalb der Dorfgemeinschaften werden die Vergewaltigungskinder stigmatisiert und ausgegrenzt. „Die Kinder müssen für die Verbrechen der Rebellen büßen, an denen sie doch völlig unschuldig sind“, berichtet Thérèse Mema Mapenzi. „ Sie bekommen nicht genug zu essen, dürfen nicht zur Schule gehen, werden misshandelt und selbst für Kleinigkeiten wie den Diebstahl einer Banane hart bestraft – manchmal sogar aus Wut und Rache getötet.“

Seelsorge, Aufklärung und materielle Hilfe

Gemeinsam mit der „Commission de Justice et Paix“ engagierten wir uns für die Vergewaltigungskinder und ihr soziales Umfeld. Wir leisteten den Kindern selbst sowie ihren Müttern, Stiefvätern und Geschwistern psychologischen Beistand – und halfen ihnen, zu einem möglichst intakten Familienleben zu finden.

Psychologischer Beistand für 20 Kinder und ihre Familien. Umfassende Aufklärung des sozialen Umfelds.

Mit umfassender Aufklärung setzten wir uns bei den Dorfgemeinschaften für einen Bewusstseinswandel im Umgang mit den Kindern ein, um eine langfristige Verhaltensänderung zu bewirken. Darüber hinaus kümmerten wir uns um ihre Schulbildung, medizinische Versorgung und behördliche Registrierung. Letzteres war besonders wichtig, denn nur mit einer Registrierung können z.B. offizielle Dokumente für das Kind ausgestellt oder eine Vormundschaft durch Verwandte beantragt werden. Da viele Familien durch plündernde Rebellen ihren gesamten Besitz verloren hatten, unterstützten wir sie außerdem mit einem Startkapital dabei, sich wieder eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen.

Mehr über Thérèse Mema Mapenzi und unsere Partnerorganisation vor Ort erfahren Sie auf chrismon.de, dem evangelischen Online-Magazin: http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2013/aussicht-auf-frieden-20335

Projektinfos im Überblick

  • Ziele: Trau­ma­the­ra­pie, Le­bens- und Fa­mi­lien­hil­fe für ver­ge­wal­tig­te Frau­en; Schutz, Ver­sor­gung und Re­inte­gra­tion für Kin­der aus Ver­ge­wal­tigun­gen, Auf­klä­rung und Ver­söh­nungs­arbeit
  • Orte: Provinz Süd-Kivu, Ost-Kongo
  • Projektdauer: 2014 – 2017
  • Partner: Comission Justice et Paix der Erzdiözese Bukavu