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Ukraine: Gemeinsame Antworten auf die Krise

Bei uns längst aus den Schlagzeilen geraten, geht die Ukraine nach den Ereignissen von 2014 durch eine Zerreißprobe: Marode Staatsfinanzen, soziale Einschnitte, ein fortdauernder Krieg und Millionen Binnenflüchtlinge, die es zu integrieren gilt. Mit einem auf 4 Jahre angelegten Projekt zeigen wir Perspektiven auf: Mit psychosozialer Hilfe für Flüchtlinge und ihre Kinder, einer Förderung der Hilfs- und Integrationsstrukturen, Kapazitätsaufbau bei Zivilgesellschaft, Behörden und Unternehmen und einer Verbesserung der Koordination. Ziel ist es, die Krise als gemeinsame Aufgabe zu definieren und sowohl die Betroffenen als auch die Aufnehmenden nachhaltig zu stärken.

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Dieses Projekt
wird gefördert von

Hintergrund

Der schwelende Krieg im Osten der Ukraine, der bis heute über 10.000 Menschen, darunter 400 Kindern, das Leben kostete, hat für das Land weitreichende soziale, ökonomische und politische Folgen. 3,4 Mio. Menschen brauchen derzeit humanitäre Hilfe, die meisten davon in den umkämpften Gebieten. Zudem gibt es 1,6 Mio. Binnenflüchtlinge, deren Versorgung und Unterbringung inzwischen zwar leidlich funktionieren – die Frage aber, wie sie rehabilitiert und integriert werden sollen, bleibt ungelöst. Wirtschaftskrise, politische Instabilität und die destabilisierende Situation im Donbass halten den Staat in Atem – für die Flüchtlinge gibt es weder genügend Aufmerksamkeit noch Ressourcen.

Irina, einst Freiwillige am Hilfszentrum in Sjewjerodonezk, ist heute dessen stellvertretende Leiterin.

Viele Familien, die fliehen mussten, fühlen sich noch Jahre später nicht zuhause. Es geht hier ja nicht bloß um vier Wände, sondern um vieles zusammen – die eigene Identität, soziale Kontakte, gute Bedingungen zum Leben und Arbeiten. Wir möchten diesen Menschen Orientierung und Sicherheit geben und sie bei ihren täglichen Problemen unterstützen. Insbesondere natürlich die Kinder.

Trotz aller Anstrengungen der Behörden und vor allem der seit den Majdan-Protesten sehr aktiven Zivilgesellschaft geht es nach wie vor auch um grundlegende Bedürfnisse: Wohnung, Arbeit oder ärztliche Versorgung. Die Zahl der traumatisierten Flüchtlingskinder, die dringend psychologischen Beistand brauchen, geht in die Hunderttausende. Ihre Eltern leiden oft an Zukunftsängsten und Depressionen – ihnen fehlt oft schlicht die Kraft zur Integration. Hinzu kommen die Spannungen zwischen Flüchtlingen und den aufnehmenden Gemeinschaften: Es geht dabei nicht nur um soziale Konkurrenz, sondern auch um enttäuschte Hoffnungen auf baldigen Frieden und Rückkehr, um Erschöpfung und Frust.

Das Engagement von ChildFund

Durch eine Reihe von Aktivitäten, die ineinandergreifen, sich gegenseitig stützen und verstärken, verfolgt ChildFund Deutschland drei Hauptziele: 1. Rehabilitation und Integration von Binnenflüchtlingen mit besonderem Augenmerk auf Kinder, 2. ökonomische Stärkung der Flüchtlinge über das Konzept des Sozialunternehmertums (s. Infokasten) und Aufbau von Kompetenzen und Strukturen in diesem Bereich und 3. Förderung der Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, staatlichen Stellen und privaten Unternehmen zur Stärkung der Flüchtlingshilfe als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dabei sind wir in den Regionen mit den meisten Flüchtlingen aktiv: Donezk, Luhansk, Charkiw und Odessa.

Flüchtlingskinder: Schutz, psychosoziale Hilfe, Rehabilitation, Teilhabe

  • Rd. 1800 Kinder und Jugendliche mit Kriegs-, Flucht- und Verlusterfahrungen, teilw. mit posttraumatischen Belastungsstörungen nehmen an Angeboten der psychosozialen Rehabilitation teil. Sie öffnen sich, verarbeiten das Erlebte und lernen, wieder Vertrauen zu fassen.
  • Ausflüge und längere Erholungsaufenthalte (z.B. am Schwarzen Meer bei Odessa) helfen Kindern von Binnenflüchtlingen, sich psychisch und körperlich zu erholen, Freunde zu finden, aus Gemeinschaftserfahrungen Kraft zu schöpfen und neuen Lebensmut zu fassen.
  • Für Kinder, die psychosozial betreut worden sind, werden Austausch-, Begegnungs- oder Bildungsreisen veranstaltet, die die Erfolge festigen. Kinder aus dem Ost- und Westteil des Landes lernen sich dabei gegenseitig kennen, was Stereotype abbaut und die Integration fördert.
  • Die Kinder und Jugendlichen werden nicht nur persönlich und sozial gestärkt – durch Informationsveranstaltungen, Workshops zur Vermittlung von Schlüsselkompetenzen und Bildungsangebote wird auch ihre spätere Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt angebahnt.
  • Aufbau von Rehabilitationszentren für traumatisierte Flüchtlingskinder in Charkiw, Odessa, Sjewerodonezk und Kramatorsk. Pädagogen und Psychologen realisieren psychosoziale Angebote und versuchen dabei, Zivilgesellschaft (NGOs), Behörden und lokale Unternehmen einzubinden.
  • Den Reha-Zentren angegliederte Gruppen von Fachleuten sind mobil in umliegenden Ortschaften und Dörfern im Einsatz, um gemeinsam mit Schulen, Kindergärten, Behörden und NGOs Information, Fortbildung und praktische Hilfe für die Arbeit mit Flüchtlingskindern zu leisten.
  • In allen Zielregionen wird bei Bedarf auch humanitäre Hilfe geleistet, vor allem für Mehrkindfamilien, Alleinerziehende, behinderte Kinder, für Schulen (Lehrmaterialien), Kindergärten und Waisenheime. Mobile Reha-Team transportieren Hilfsgüter in entlegenere Orte und Dörfer.
  • Über Publikationen und Veranstaltungen wird breit über die Lebenssituation von Flüchtlingen und ihren Kindern informiert, um mehr Sensibilität und Verständnis zu schaffen und den Ausbau von Angeboten zu ihrer Rehabilitation und gesellschaftlichen Teilhabe anzuregen.

Binnenflüchtlinge: Empowerment, ökonomische Stärkung, Selbsthilfe

  • Auf Konferenzen, Fachgesprächen, Workshops und über Medien wird das Konzept des Sozialunternehmertums und entsprechende Ansätze des Projekts öffentlich vorgestellt. Ein wichtiges Anfangsziel ist, zivilgesellschaftliche Organisationen und Unternehmen als Partner zu gewinnen.
  • Für Binnenflüchtlinge werden Angebote zur ökonomischen Bildung und Förderung von unternehmerischer Initiative, Motivation und sozialen Kompetenzen realisiert, die sich an dem Konzept des Sozialunternehmertums orientieren und an lokale Ressourcen anknüpfen.
  • In Partnerschaft mit Knowhow-Trägern entstehen Gründerzentren, an denen Interessierte Beratung und Unterstützung bekommen und an Kursen (Geschäftsentwicklung, Englisch, IT) teilnehmen können. Mit der Ausbildung von Multiplikatoren wird die Bekanntheit des Angebots gefördert.
  • Für ausgewählte Teilnehmer der Kurse, Trainings und Workshops werden Vernetzungs- und Bildungsreisen nach Deutschland und Georgien organisiert. Einige werden mit einer finanziellen Starthilfe und weiterführenden Trainings bei der Realisierung ihrer Ideen unterstützt.
  • Einmal angestoßen, leistet das Modul „Sozialunternehmertum“ einen Beitrag zur Unterstützung, sozialen Adaptation und Reintegration von Binnenflüchtlingen. Zugleich wird der Aufbau von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Strukturen in diesem Bereich gefördert.
  • NGO-Partner werden dabei unterstützt, das Konzept an Schulen zu implementieren, konkret: Schüler zu informieren, zu begeistern und bei der Gründung von Schülerfirmen zu begleiten. Junge Menschen sollen dabei ihren Blick weiten und soziale Verantwortung übernehmen.
  • Zum Ende des Projekts hin sollen die ersten Sozialunternehmen gegründet worden sein. Sie bringen aktive Menschen zusammen, suchen gezielt solche einzubinden, die z.B. durch Behinderung benachteiligt sind, packen soziale Probleme an und zeigen neue Wege aus der Krise auf.

NGOs, Behörden, Unternehmen: Knowhow, Strukturen und Vernetzung

  • Förderung von Partnerschaften zwischen allen Akteuren auf regionaler und lokaler Ebene, die sich bereits für Rehabilitation, Bildung und ökonomische Stärkung von Flüchtlingen, für die Konflikt- und Korruptionsbekämpfung engagieren oder daran interessiert sind, dies zu tun.
  • Foren, Inputs, Workshops und Bildungsreisen bringen Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik, Bildung und Wirtschaft zusammen, um sie fortzubilden und in ihrem Handeln zu stärken. Ideen und Projekte werden ausgetauscht, Kooperationen angebahnt und die Koordination verbessert.
  • Die Projekte der genannten Akteure stärken die intersektorale Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise. Die aufnehmenden Gemeinschaften entwickeln ihre Kapazitäten zur Reintegration der Flüchtlinge in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Arbeitsmarkt.
  • NGOs und Initiativen, die bereit sind und die Kompetenz haben, eigene Projekte zu realisieren, die Brücken zwischen den Flüchtlingen und Aufnahmegesellschaften sowie zwischen Zivilgesellschaft, Behörden und Unternehmen bauen, werden finanziell unterstützt.

Wir wollen, dass die Binnenflüchtlinge in der Ukraine ihre prekäre innere und äußere Verfassung überwinden und lernen, mit dem Erlebten umzugehen. Wir wollen, dass sie die Kompetenzen und den Willen entwickeln, ein neues Leben zu beginnen und darin erfolgreich zu sein – gerade für die Kinder, die ihre Eltern jetzt dringend brauchen. Wir wollen, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Flüchtlingskrise als gemeinsame Aufgabe begreifen und gemeinsam handeln, um sie zu lösen. Die Herausforderungen, vor denen die Menschen in der Ukraine stehen, sind riesig – meisten werden sie sie nur dann, wenn sie ihre Zukunft aktiv und in Solidarität gestalten.

Projektinfos auf einen Blick

Ziele: psychosoziale Unterstützung, Hilfs- und Beratungsangebote für Flüchtlingsfamilien, Rehabilitation und Integration, ökonomische Aktivierung, Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Förderung der Kooperation zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

Zielgruppe: Kinder mit Flucht- und Gewalterfahrungen, Familien mit besonderem Förderbedarf, Kinder und Familien in frontnahen Gebieten, Akteure der Flüchtlingshilfe

Orte: Regionen Odessa, Charkiw, Luhansk und Donezk
(Rehazentren in Odessa, Charkiw, Sjewerodonezk, Kramatorsk)

Dauer: 03/2016 bis 09/2019

Partner: BMZ, East Europe Foundation, Yellow-Blue Wings (NGO)

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